Vorgeschichtliche Siedlung an der Kalkberger Chaussee

Aus Awiki aus Schoeneiche

Wechseln zu: Navigation, Suche

Von Wolfgang Cajar

In Höhe des Berghofes quert die Kalkberger Straße eine starke Bodenwelle, die sich in nord-südlicher Richtung von Grünelinde her über das Straßenterrain erstreckte. Die Straße führte früher über die Bodenwelle hinweg, jedoch beim Bau der Straßenbahntrasse nach Kalkberge wurde die Bodenwelle für Straße und Straßenbahn 1914 durchschnitten. 1927 wurde eine Verbreiterung der Straßenbahntrasse erforderlich, wozu die Böschung an der Bodenwelle südlich der Bahnstrecke beseitigt werden mußte. Der sichtbare Böschungsrand der Bodenwelle ließ ein Profil von etwa 30 Zentimeter starkem Kulturboden, darunter eine ein bis anderthalb Meter dicke Schicht aus Kies und grobem Gestein und darunter grauen Ton erkennen – die typische Schichtung in unserer eiszeitlich geprägten Landschaft. Bei den Arbeiten bemerkten die Arbeiter in dem neuen Böschungsschnitt einige Besonderheiten, die Havenstein wie folgt dokumentierte: Bei den Erdarbeiten stießen nun die Arbeiter in der Kiesschicht, etwa 60 Zentimeter unter der Oberkante der Böschung, auf dunklerere Erde, aus der ihnen verschiedene Tonscherben entgegen fielen. Dank der Umsicht der Arbeiter konnte fast alles geborgen werden. Es handelt sich nach den ersten Feststellungen um Reste von Gefäßen aus der Zeit um Christi Geburt, also der Übergangszeit der Laténeperiode. Allem Anschein nach stellt der Fundort eine Abfallgrube von etwa 70 Zentimeter Durchmesser dar. Hierfür spricht der Umstand, daß kein vollständiges Gefäß, sondern nur Reste von mindestens fünf Gefäßen, darunter solchen, die wahrscheinlich längere Zeit zum Kochen benutzt worden sind, gefunden wurden. Ein ebenfalls leider nur in Resten erhaltenes Gefäß trägt gefällige Verzierungen. Ferner fanden sich Austernschalen, Holzkohlestücke und ein völlig oxydiertes längliches Stück-Eisen, das eine Gewandnadel gewesen sein kann. In einer Entfernung von etwa eineinhalb Metern östlich dieser Abfallgrube wurde nun bei weiteren Grabungen ein Pfostenloch von 40 Zentimeter obere Breite und etwa 75 Zentimeter Tiefe, nach unten spitz verlaufend, einwandfrei festgestellt. Die Füllung des Loches bestand ebenfalls wie die Füllung der Abfallgrube aus Kies mit Muttererde gemischt und trat im Querschnitt deutlich hervor. Bemerkenswert ist, daß die Füllung des Pfostenloches stark mit Holzkohle durchsetzt war, was dafür spricht, daß der Pfahl zur besseren Haltbarkeit angebrannt wurde ... Klarheit über den Umfang dieses Siedlungsplatzes sollten weitere Grabungen später bringen. Ob diese aber durchgeführt worden sind und zu welchen Ergebnissen sie ggf. führten, ist jedoch leider nicht bekannt.


Quellen von Wolfgang Cajar