Kommentar zur WOS-Studie

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Kommentar zur WOS-Studie

E. von Hodenberg, Herzzentrum Lahr/Baden, Lahr

Noch immer sind Herz-Kreislauferkrankungen Todesursache Nr. 1 in Deutschland und der westlichen Welt. Infolgedessen kommt einer sinnvollen Primärprävention eine besondere gesundheitspolitische Bedeutung zu.

Cholesterinsenkende Maßnahmen wurden bislang bei der Primärprävention eher kritisch beurteilt. Die großen Interventionsstudien der letzten Jahre (LRC- und Helsinki-Studie) wiesen zwar nach, daß bei Individuen ohne vorbestehende koronare Herzkrankheit eine Cholesterinsenkung zu einer Reduktion kardialer Ereignisse, auch der Koronarmortalität führt, jedoch zeigte sich kein Effekt auf die Gesamtmortalität. Ein möglicher Grund war die eher unzureichende Cholesterinsenkung unter der Therapie mit Colestyramin bzw. Gemfibrozil.

Welche Besonderheiten hat nun die West of Scotland-Studie, und was können wir aus den Ergebnissen lernen?

Im Gegensatz zu früheren Primärpräventions-Untersuchungen wurde hier in der Behandlungsgruppe durch die Therapie mit dem CSE-Hemmer Pravastatin eine effektivere Reduktion des Gesamtcholesterins (-20%) und des LDL-Cholesterins (-26%) erzielt. Diese Cholesterinsenkung führte bei herzgesunden Männern mit einem Durchschnitts-Cholesterinwert von 272 mg/dl zu einer 31%igen Risikoreduktion für nichttödliche Infarkte bzw. Koronartod. Das heißt, in der Plazebogruppe erlitten 248 Patienten einen nichttödlichen Herzinfarkt oder verstarben aus koronarer Ursache, während in der Pravastatingruppe nur bei 174 Patienten ein derartiges Ereignis auftrat. Dabei kam es unter Pravastatin zu keiner Erhöhung der nichtkardiovaskulären Mortalität.

Dieser positive Effekt ließ sich schon nach 6 Monaten in der Behandlungsgruppe nachweisen. Es ist gut denkbar, daß die Cholesterinsenkung zu einer Plaque-Stabilisierung oder auch zu einer verbesserten Endothelfunktion führte. Aus den Ergebnissen läßt sich folgendes ableiten: Wenn 1000 Männer (45-65) Jahre mit Cholesterin >250 mg/dl über 5 Jahre behandelt werden, können

20 nichttödliche Herzinfarkte, 7 Koronartodesfälle, 14 Koronarangiographien, 8 Revaskularisationsmaßnahmen, vermieden werden.

Somit muß die Reduktion erhöhter Cholesterinwerte auch für die Primärprävention der koronaren Herzkrankheit als sinnvolle Maßnahme gelten. Die Entscheidung für eine lipidsenkende Therapie sollte jedoch bei jedem Patienten individuell abhängig von den anderen Risikofaktoren getroffen werden.

Korrespondenzadresse:

Priv.-Doz. Dr. E. von Hodenberg Herzzentrum Lahr/Baden Hohbergweg 2 77933 Lahr

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