Kommentar: Die Bedeutung des PSA für die Erkennung des Prostatakarzinoms

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Kommentar

Die Bedeutung des PSA für die Erkennung des Prostatakarzinoms

H. Schulze, Urologische Klinik, Städtische Kliniken, Dortmund


Durch die ständige Zunahme durchgeführter PSA-Bestimmungen hat sich auch die Zahl neu erkannter Prostatakarzinome in den letzten Jahren stark erhöht. In der Folge nimmt auch die Zahl radikaler Prostatektomien mit dem Ziel einer kurativen Therapie stetig zu. Kritiker eines PSA-Screenings führen an, daß dieser Trend der letzten Jahre bisher nicht zu einer nachweisbaren Reduktion der Mortalitätsrate des Prostatakarzinoms geführt hat. Aufgrund des in aller Regel langsamen Fortschreitens dieses Karzinoms ist allerdings, selbst bei einem erfolgreichen Wandel der Therapie, nicht mit einer kurzfristigen Reduktion der Todesfälle am Prostatakarzinom zu rechnen. Vielmehr dürften erste Veränderungen frühestens nach 10 Jahren auftreten. Zugleich laufen große randomisierte, prospektive Studien, die die Effektivität einer PSA-gestützten Früherkennung überprüfen sollten.

Welche Konsequenzen ergeben sich für die tägliche Praxis heute?

Grundsätzlich erscheint es nur sinnvoll eine PSA-Bestimmung vorzunehmen, wenn aus einem pathologischen PSA-Wert für den individuellen Patienten therapeutische Konsequenzen gezogen werden. Es macht wenig Sinn, einen 75jährigen Mann mit multiplen Begleiterkrankungen subtil auf das Vorliegen eines Prostatakarzinoms im Frühstadium zu untersuchen, wenn dieser aufgrund seines Risikoprofils von vornherein für eine radikale Prostatektomie nicht in Frage kommt. Generell ist zu fordern, daß die Lebenserwartung eines Mannes, der sich einer Prostatakarzinom-Früherkennung unterzieht, zumindest 10, besser 15 Jahre beträgt.

Ferner ist Grundvoraussetzung, daß der die PSA-Bestimmung veranlassende Arzt eine korrekte Interpretation des PSA-Wertes vornehmen kann. Dies beinhaltet unter anderem, daß die benutzte Bestimmungsmethode bekannt ist. In Deutschland sind bedauerlicherweise mittlerweile rund 50 unterschiedliche Bestimmungskits auf dem Markt verfügbar. Nur wenige sind ausreichend zuverlässig geprüft und dementsprechend für eine Früherkennung geeignet. Häufig genannte Normwerte beruhen auf der Erkenntnis von Daten anderer Hersteller, basieren nicht auf Erfahrungen mit den eigenen Bestimmungsverfahren und sind somit nutzlos.

Wird der PSA-Serumwert allerdings unter korrekten Bedingungen bestimmt, so gibt dieser Blutwert in Kombination mit einer digito-rektalen Untersuchung die große Gewähr, ein Prostatakarzinom im Frühstadium zu erkennen. Die hier vorgestellte Arbeit von Gann und Mitarbeitern belegt dabei erneut, daß bereits eine PSA-Einzelbestimmung mit recht hoher Sensitivität und Spezifität zur Früherkennung eines Prostatakarzinoms beiträgt. Ob diese durch die zusätzliche Evaluierung des Anteils des freien PSA am Gesamt-PSA noch erhöht werden können, müssen die aktuell laufenden Untersuchungen hierzu zeigen.

Korrespondenzadresse: Prof. Dr. H. Schulze Direktor der Urologischen Klinik Städtische Kliniken Westfalendamm 403 D-44143 Dortmund

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