Kommentar: Das poststationäre Thromboserisiko bei Patienten mit totalendoprothetischem Hüftgelenkersatz

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Kommentar: Das poststationäre Thromboserisiko bei Patienten mit totalendoprothetischem Hüftgelenksersatz

J. Harenberg, I. Medizinische Klinik, Klinikum Mannheim


Nachdem sich nun die perioperative Thromboembolie-Prophylaxe mit niedermolekularen Heparinen bei dem Hüftgelenksersatz durchgesetzt hat, rückt die Frage der Dauer der postoperativen Nachbehandlung in den Vordergrund. Aus diesem Grund haben Planes et al. eine richtungsweisende Studie durchgeführt, in der sie zeigen konnten, daß auch 3 Wochen nach stationärer Entlassung ohne eine Thromboembolie-Prophylaxe eine Thromboembolie-Inzidenz von etwa 20 % zu verzeichnen ist und diese durch die 1 x tägliche subkutane Verabreichung von niedermolekularem Heparin hochsignifikant reduziert werden kann.

Mit ähnlichem und sehr vergleichbarem Studiendesign wurden inzwischen weitere Ergebnisse auf diesem Gebiet gewonnen. Die Arbeiten sind zur gleichen Zeit publiziert worden oder stehen kurz vor der Veröffentlichung. Die Daten von Planes et al. weisen in die gleiche Richtung wie die Daten in den anderen Studien. Insgesamt wurden in allen 4 Studien zusammen pro Patientengruppe etwa 500 Patienten eingeschlossen. Eine Metaanalyse steht also kurz bevor. Es ist daher davon auszugehen, daß in Kürze Empfehlungen zu einer poststationären Thromboembolie-Prophylaxe nach Hüftgelenksersatz von den entsprechenden Fachgesellschaften ausgesprochen werden. Die Prophylaxe sollte vorzugsweise mit niedermolekularem Heparin 1 x täglich subkutan durchgeführt werden, da unter unfraktioniertem Heparin die Heparin-induzierte Thrombozytopenie beobachtet wird. Diese tritt bekannterweise unter NM-Heparin seltener auf. Theoretisch kommen auch orale Antikoagulantien für die dann insgesamt 5-wöchige postoperative stationäre Behandlung in Frage; Ergebnisse hierzu liegen jedoch nicht vor.

Derzeit wird geprüft, ob die Thromboembolie-Prophylaxe in der jetzt vorliegenden Form mit insgesamt 5 Wochen postoperativer Durchführung ausreichend ist oder eine noch längerfristige Prophylaxe erforderlich ist. Weiterhin steht zur Diskussion, ob bei Patienten mit einer zugrundeliegenden Erkrankung, die ein erhöhtes Thromboembolie-Risiko bedingt - wie zum Beispiel ein Malignom -, eine noch längerfristige Thromboembolie-Prophylaxe wirksam ist. Die vorgelegten Daten sind richtungsweisend. Mit Spannung können die Stellungnahmen der Fachgesellschaften sowie weitere wissenschaftlich differenzierte Indikationsstellungen erwartet werden.


Bergqvist D et al: Low molecular weight heparin (Enoxaparin) as prophylaxis against venous thromboembolism after total hip replacement, N Eng J Med 1996; 335: 696-700


Korrespondenzadresse: Prof. Dr. med. J. Harenberg Fakultät für Klinische Medizin, Mannheim der Universität Heidelberg I. Medizinische Klinik Klinikum Mannheim Theodor-Kutzer-Ufer 68167 Mannheim

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