In-vitro-Wirkung von Fluorchinolonen

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In-vitro-Wirkung von Chinolonen

A.C. Rodloff, Leipzig


Die Entwicklung neuer Fluorchinolone hat die antibakterielle Therapie mit einem breiten Spektrum interessanter Substanzen bereichert. Aufgrund der Zunahme der verschiedenen Chinolonderivate wurde von einer Expertengruppe der Paul-Ehrlich-Gesellschaft eine Einteilung in vier Gruppen vorgenommen (s. Tabelle). A. Rodloff, Institut für Medizinische Mikrobiologie, Leipzig, untersuchte die Wirkintensität der verschiedenen Chinolongruppen, indem er deren minimale Hemmkonzentrationen (MHK) bei unterschiedlichen Erregern verglich. Bei der MHK handelt es sich um die niedrigste Konzentration eines Wirkstoffes, die gerade noch in der Lage ist, das weitere Wachstum eines Erregers zu verhindern.


Tabelle: Einteilung der Fluorchinolone nach Gruppen nach Naber et al.[i]

(Listung innerhalb einer Gruppe nach aufsteigender In-vitro-[MHK]-Aktivität)

I


Orale Fluorchinolone mit im wesentlichen auf Harnwegsinfektionen eingeschränkter Indikation.


Norfloxacin

Pefloxacin

II


Systemisch anwendbare Fluorchinolone mit breiter Indikation


Enoxacin

Fleroxacin

Ofloxacin

Ciprofloxacin

III


Fluorchinolone mit verbesserter Aktivität gegen grampositive und „atypische“ Erreger


Levofloxacin

Sparfloxacin

Grepafloxacin

IV


Fluorchinolone mit verbesserter Aktivität gegen grampositive und „atypische“ Erreger sowie gegen Anaerobier


Gatifloxacin*

Trovafloxacin*

Moxifloxacin*

Clinafloxacin*

  • Substanzen, die sich noch in klinischen Prüfungen (Phase III befinden, bzw. zur Zulasssung (z.B. Trovafloxacin) eingereicht sind


Während die Gruppe I der Chinolone nur den Einsatz bei Harnwegsinfektionen rechtfertigt, sind in der Gruppe II die systemisch anwendbaren Fluorchinolone enthalten, die über eine gute antibakterielle Aktivität und ein breites Wirkspektrum verfügen. Hierzu gehören Enoxacin, Fleroxacin, Ofloxacin und Ciprofloxacin. Die dritte Gruppe umfaßt Antiinfektiva mit verbessertem Wirkspektrum im grampositiven und atypischen Bereich. Hier finden sich Levofloxacin, Sparfloxacin und Grepafloxacin. Die vierte Gruppe umfaßt die Substanzen mit verbesserter Wirkung gegen grampositive und atypische Keime sowie zusätzlicher Wirkung gegen Anaerobier. Zu diesen Antibiotika gehören Trova- und Moxifloxacin.


Am Institut für Medizinische Mikrobiologie in Leizpzig wurden Halbjahresdaten ausgewertet, die 940 Stämme umfaßten. Rodloff verglich die in Leipzig erhobenen MHK-Werte und den Anteil an sensiblen, intermediären und resistenten Bakterienstämmen mit den aus der Literatur bekannten Daten. Die von ihm eingesetzten herkömmlichen Chinolone waren Ciprofloxacin und Ofloxacin, von den neueren Chinolonen untersuchte er Trovafloxacin und Moxifloxacin. Allerdings sind die Daten zu Moxifloxacin noch nicht endgültig ausgewertet. Für die grampositiven Erreger, wie z.B. S. aureus, betrugen die MHK90-Werte der Fluorchinolone der Gruppe IV, wie bspw. Moxifloxacin laut Literatur 0,125 mg/l und waren damit deutlich niedriger als bei der Gruppe II. Bei den multiresistenten S. aureus (MRSA)-Stämmen hingegen wird in einem hohen Prozentsatz auch mit den neuen Chinolonen keine ausreichende Bakterizidie zu erreichen sein, fürchtet Rodloff. Bei S. epidermidis sah er unter 710 Stämmen 495 mit Sensibilität gegen Ciprofloxacin. Auch die neuen Chinolone schnitten hier nicht wesentlich besser ab, so daß ein Einsatz, z.B. zur Behandlung von Katheterinfektionen, nicht ratsam ist. Bei den Enterokokken sind ebenfalls Resistenzentwicklungen unter den Chinolonen beobachtet worden. Nur bei 32% der Stämme wurde eine Sensibilität gegenüber Ciprofloxacin beobachtet, aber auch hier erwartet Rodloff keine wesentlichen Fortschritte durch die neuen Chinolone. Zur Wirksamkeit gegenüber S. pneumoniae konnte er keine eigenen Daten präsentieren, da Streptococcus-pneumoniae-Infektionen kaum in Kliniken, sondern überwiegend in der Praxis behandelt werden. Aber aus der Literatur ist bekannt, daß hier mit den neuen Chinolonen ein deutlicher Wirksamkeitszuwachs zu erzielen ist. Interessant sei die Frage, wann bei S. pneumoniae Resistenzentwicklungen gegen die neuen Chinolone auftreten würden, so Rodloff. Bei den gramnegativen Erregern, wie z.B. E. coli und Enterobacter, wird unter den Chinolonen der Gruppe II eine so gute Wirksamkeit beobachtet, daß eine Verbesserung nicht zu erwarten ist. Auch bei Pseudomonas wird bei einer Sensibiliät von 77% aller Stämme gegenüber Ciprofloxacin eine Steigerung der Wirksamkeit schwierig werden. Möglicherweise ist aufgrund der besseren Wirksamkeit gegenüber Anaerobiern zukünftig eine Kombination mit Metronidazol nicht mehr erforderlich.


Zusammenfassend zeigen die Chinolone der vierten Generation eine gute Wirksamkeit gegenüber grampositiven Erregern wie Pneumokokken, Streptokokken und Staphylokokken, gegen gramnegative Erreger, gegen atypische Erreger wie Mykoplasmen, Chlamydien und Legionellen und gegen Anaerobier. Im Vergleich zu den klassischen Fluorchinolonen verfügen sie über eine verbesserte Wirksamkeit im grampositiven Bereich. Insbesondere gegenüber Pneumokokken, gegen atypische Erreger, und bei den Anaerobiern wird laut Rodloff ebenfalls ein deutlicher Wirksamkeitszuwachs erzielt.

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