Editorial: Spezial: Nutzen und Risiken der Therapie mit Statinen

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Editorial

Die Transformation einer stabilen arteriosklerotischen Läsion in eine instabile Plaque ist eng mit einer lokalen und systemischen Entzündungsreaktion assoziiert. Lokal ist die instabile Plaque durch eine Akkumulation von aktivierten Makrophagen und Lymphozyten, die Sekretion von proteolytischen Enzymen (Metalloproteinasen) mit Störung des Proteasen/Antiproteasen-Gleichgewichts, einer Aktivierung proinflammatorischer Gene in den Zellen der Gefäßwand und eine nachfolgende Expression von Zytokinen und Wachstumsfaktoren gekennzeichnet. Als Folge der Sekretion von proteolytischen Enzymen, der Veränderung der Plaquestabilität und oberflächlicher Endotheldefekte entstehen Plaquefissuren und Endothelerosionen mit sekundärer Thrombenbildung an der Plaqueoberfläche. In diesem Krankheitsprozeß ist die, relative Bedeutung unterschiedlicher Trigger für die Transformation einer stabilen arteriosklerotischen Läsion in eine instabile Plaque unklar. Unzweifelhaft kann eine Entzündungsreaktion in der Plaque durch modifiziertes LDL, glykosilierte Proteine, Bakterien und Viren, aber auch durch mechanische Faktoren im Sinne einer "response-to-injury" erklärt werden.


Zwischen der lokalen Entzündung, der Expression von Zytokinen und Wachstumsfaktoren in der Gefäßwand und den Veränderungen in den Blutbestandteilen besteht eine komplexe Interaktion, die bislang wenig verstanden ist. So kann eine erhöhte Konzentration von Akutphaseproteinen, wie C-reaktives Protein, Fibrinogen und Serumamyloid A im Blut ebenso wie Thrombinbildung und Plättchenaktivierung mit den kardialen Ereignisraten korreliert werden. Dabei ist es unklar, ob diese systemischen Veränderungen Folge der zugrundeliegenden Entzündung in den Koronargefäßen sind oder primär zu einer erhöhten Vulnerabilität von vorbestehenden Plaques beitragen.


Die therapeutischen Ansätze müssen diesen komplexen Pathomechanismen Rechnung tragen. Unbestritten ist, daß eine Plaquepassivierung durch eine konsequente LDL-Reduktion mit Statinen erreichbar ist. Auch durch den Einsatz von potenten Plättchenaggregationshemmern, die über den Fibrinogenrezeptor wirken, konnte eine Reduktion kardialer Ereignisse gezeigt werden. Langfristig bieten sich auch gentherapeutische Ansätze an, vor allem wenn eine zellspezifische Expression des Transgens sichergestellt werden kann und geeignete Vektoren für den Gentransfer zur Verfügung stehen, die nicht von einer Immunantwort begleitet sind.


In dem vorliegenden Spezial aus Klinik und Forschung werden der Nutzen und die Risiken der Therapie mit Statinen gegeneinander abgewogen. Darüber hinaus müssen in der Zukunft die Bedeutung der Entzündung für die Progression einer arteriosklerotischen Plaques in eine instabile Läsion und eine therapeutischen Beeinflussung weiter wissenschaftlich untersucht werden.

H. Katus, Heidelberg

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