Dosisfindungsstudie mit Riluzol bei amyotropher Lateralsklerose

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Kommentar: Dosisfindungsstudie Riluzol

D. Pongratz, Friedrich-Baur-Institut bei der Medizinischen und der Neurologischen Klinik,

Klinikum Innenstadt der Universität München



Es handelt sich um die Ergebnisse der inter­national durchgeführten doppelblinden, placebo­kontrollierten Studie über den Einsatz des Glutamatantagonisten Riluzol bei Patienten mit amyotropher Lateralsklerose. Zusammen mit der europäischen Studie, welche bereits 1994 in The New England Journal of Medicine[i] publiziert worden war, bildet sie die Grundlage für die europaweite Zulassung der Substanz im Juni 1996.


Man kann konstatieren, daß es sich dabei um die erste Substanz handelt, welche bei der ALS einen statistisch signifikanten Effekt auf die Überlebenszeit der Patienten um ca. 3 Monate erbringen konnte. Eine Verbesserung der Lebensqualität unter dieser Therapie konnte bisher noch nicht klar gezeigt werden. Die Zukunft muß zeigen, ob sich ein solcher Effekt beim möglichst frühzeitigen Einsatz der Substanz demonstrieren läßt. Inwieweit man nach jetziger Kenntnis das Medikament in fortgeschrittenen Krankheitsstadien einsetzen soll, muß kritisch diskutiert werden.


Nebenwirkungen sind im wesentlichen Nausea und Müdigkeit. Letztere wird von einigen Patienten als Verschlechterung der Schwäche fehlgedeutet, ist jedoch nach Absetzen des Präparates voll reversibel. Insgesamt führten die Nebenwirkungen nur in knapp 4% der Fälle zu einem Therapieabbruch. Selten werden Trans­aminasen-Erhöhungen, ganz selten eine Neutro­penie beobachtet.

Besonders deutlich wird wider Erwarten die Überlebenszeit bei bulbär beginnenden Formen der Erkrankung verlängert.


Was die Dosisfindung anbelangt, stellt sich eine Tagesdosis von 100 mg im Hinblick auf Wirkung und Nebenwirkungsprofil als am günstigsten heraus.


In der Entwicklung für die Therapie der ALS befinden sich gegenwärtig neurotrophe Fak­toren, insbesondere Insulin-like-growth-factor und brain-derived-neurotrophic-factor sowie neue Glutamatantagonisten. Gegenwärtig ist in klinischen Studien von keiner der neuen Substanzen eine Überlegenheit gegenüber Riluzol zu erkennen. Für die Zukunft wird man jedoch auch über Kombinationstherapien nach­denken müssen.


Zusammenfassend bleibt festzuhalten, daß der Glutamatantagonist Riluzol das erste Medi­kament darstellt, welches bei der ALS in zwei doppelblinden, placebokontrollierten Studien eine statistisch signifikante Zunahme der Lebenserwartung nachweisen ließ.


Auch wenn der klinische Effekt im Einzelfall meist nur gering erscheint, ist dies ein großer Fortschritt.

Im Hinblick auf die Art der Erkrankung sollte nach heutigem Wissen jedem Patienten mit einem frühen Stadium einer gesicherten ALS Riluzol als medikamentöse Therapie zur Verfü­gung gestellt werden. Es ist jedoch einzubetten in weitere interdisziplinäre Maßnahmen wie physikalische Therapie, psychosomatische Bera­tung, Hilfsmittelversorgung und die begleitende symptomatische medikamentöse Behandlung einzelner Symptome.


In der Endphase der Erkrankung haben pal­liativ-therapeutische Maßnahmen den größten Stellenwert.


Über eine mögliche Indikationserweiterung für Riluzol über die ALS hinaus, insbesondere für die Be­handlung der hereditären spinalen Muskelatrophien oder des Postpoliosyndroms, wird nachzudenken sein.








Korrespondenzadresse:

Prof. Dr. med. D. Pongratz

Friedrich-Baur-Institut

bei der Medizinischen und der Neurologischen Klinik,

Klinikum Innenstadt der Universität München

Ziemssenstraße 1

80336 München

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