Urmühle

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von Wolfgang Cajar

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stand noch in einer Katastereintragung für das frühere Hannemannsche Grundstück in der damaligen Parkstraße (heute: Am Erlengrund) der Zusatz „der Mühle zugehörend“. Das mußte aber nicht unbedingt bedeuten, daß auf diesem Grundstück die Urmühle stand, wenn auch der naheliegende See in der Seestraße dies für möglich erscheinen ließ. Aber in früheren Zeiten gehörten zu einer Mühle auch Ländereien, die vom Müller mit bewirtschaftet wurden. Zudem wurde auf einer Karte von 1758, die im Köpenicker Museum aufbewahrt wurde, wesentlich weiter nördlich, etwa im Bereich der heutigen Karl-Marx-Straße, eine „Alte Mühlstelle“ in Kleinschönebeck ausgewiesen. Aus alten Urkunden war nur zu ersehen, daß es um 1450 eine Schönebecksche Mühle gab, die aber nur wenig Ertrag abwarf. Dies könnte daran gelegen haben, daß die im Mittelalter durch Kleinschönebeck fließende Senitz (= Heubach, das heutige Fredersdorfer Mühlenfließ) seinen Verlauf durch das Gebiet der heutigen Brandenburgischen Straße nahm, aber allmählich verschlammte und sich das Wasser ein anders Bett weiter westlich zu suchen begann.

1933 begann ein Herr Schumacher in der damaligen Schulstraße (heute: Käthe-Kollwitz-Straße) auf seinem neu erworbenen Grundstück die Grube für den Keller seines künftigen Hauses auszuheben, als er in etwa zwei Metern Tiefe einen alten Balken und eine Bohle fand. Der Besitzer meldete den Fund glücklicherweise dem Märkischen Museum, das einen Fachmann entsandte und der einen Gefäßscherben aus dem 11. bis 14. Jahrhundert fand. Dadurch war eine Datierung für die gefundenen Holzteile gegeben, die auch von Prof. Kiekebusch vom Märkischen Museum, der viele Ausgrabungen im Kleinschönebecker Gebiet betreute, bestätigt wurde. Die weiteren Untersuchungen der Fundstelle wurden dann von dem Schöneicher Heimatforscher Felix Havenstein durchgeführt. Der Mühlensachverständige Gustav Thormeyer hatte zuvor die Fundstücke eindeutig als Reste einer alten an der Senitz gelegenen Mühle bestimmt. Felix Havenstein schrieb dazu:

„Der zuerst gefundene Balken, der eine Länge von 3,50 Metern hat, auf zwei schweren Pfeilern ruht und quer zum Wasserlauf liegt,, entpuppte sich als sogenannter Fach- oder Wehrbaum. Auf der Oberfläche, etwa in der Mitte des Balkens, befindet sich ein kreisrundes Loch, in dem früher der Stab befestigt war, an dem der Müller die Wasserhöhe ablas, um den Stau regulieren zu können. Nach der Nordseite zu ist der Fachbaum durch sechs Zentimeter starke Bohlen, die schräg zum Wasser stehen, abgebuhnt, um zu verhindern, daß das Wasser unter dem Fachbaum hindurch floß. Vom Fachbaum aus lief das Wasser über eine verhältnismäßig kurze Rinne und einen Rundbalken in den von starken Eichenstämmen eingefaßten Kolk, um das unterschächtige Rad zu treiben.“

Vom Mühlrad selbst wurden keine Reste mehr gefunden. Es ist anzunehmen, daß beim Neuaufbau der Mühle an anderer, auch vom Fließgefälle her günstigeren Standort, noch verwertbare Teile (Mühlrad, Mahlsteine, freiliegende Balken) abgebaut und in dem Neubau wieder verwendet wurden, zumal das verwendete Eichenholz ja nahezu unverwüstlich war. Es gab aber an der Fundstelle aber noch weitere wertvolle Funde: So wurde unter einer starken Holzschwelle, die über das Gerinne führte, ein noch gut erhaltenes Gefäß von etwa 18 cm Durchmesser, mit Rundboden und starken Gurtfurchen gefunden; es stand auf einem Stein und war nur wenig durch die Last des darüberliegenden Balkens zerdrückt worden. Havenstein nahm an, daß es sich um ein sogenanntes Brandopfer handelte, wie es früher in die Fundamente neuer Bauten eingefügt wurde, um das Bauwerk vor bösen Geistern und sonstiger Unbill zu schützen. Auch dieser Fund datierte die gefundenen Mühlenreste eindeutig in das frühe Mittelalter. Später wurden auch noch ein kupfernes Beschlagstück eines Kastens, ein Stück eines Mühlsteins, ein stark abgenutzter Schleifstein und weitere Holzteile geborgen.

Das verwendete Holz war überwiegend Eiche. Von verwendeten Birkenknüppeln war die Borke noch gut erhalten, das Innere vermodert. Das Bodenprofil neben und über dem Wehr zeigte eine mehrfache Wechsellagerung von Sanden und Torfschichten. Das deutet darauf hin, daß das alte, eiszeitliche Bachtal ursprünglich etwa 3 Meter tief eingeschnitten war, sich dann aber immer mehr mit Sanden auffüllte, die von der Hochfläche des Barnim abgeschwemmt und talwärts abgelagert wurden. So sind die Mühle und der Mühlteich schließlich soweit versandet, daß ihr Betrieb nicht mehr wirtschaftlich war und eine Umsiedlung in das neue Bachbett an der jetzigen Alten Mühle sich anbot.